Dritter Teil des Berichts über ein nahezu universelles Hausmittel aus dem 18. Jahrhundert von dem Mediziner Dr. Johann Christoph Fahner, dessen Pointe sich allerdings nur erschließt, wenn die beiden vorangehenden Teile bekannt sind.

Zweite Geschichte

Herr R, ein junger sehr geschickter Kandidat der Theologie, der auf Schulen und Akademien das beste Lob in Absicht auf seine Talente und Fleiß hatte, auch als ein Mann von gutem Herzen und Religion bekannt war, ging nach absolvierten Studien bei den Hr. Cammerherrn von W. in Kondition, um dessen Kinder erziehen zu helfen. Seine Geschicklichkeit in Sprachen und anderen Wissenschaften sowie sein guter redlicher Charakter und sein Unterricht fanden allen verdienten Beifall. Aber die zuweilen heftig ausbrechenden Affekten, besonders sein Jähzorn, zog ihm bald Widerwillen bei seinen Eleven [Schülern], bei der gnädigen Frau Mamma und nach und nach auch bei seinem Herrn Principal und endlich bei allen im Hause zu. Oft konnte er unversehens bei Kleinigkeiten in die äußerte Wut kommen, wo ein anderer kaum sich etwas geärgert hätte, und dann vergaß er sich ganz, redete Sachen, die er nachher nicht gesagt zu haben wünschte, handelte zuweilen ganz unbesonnen, und seine Mienen waren dabei allemal zum Entsetzen.

Man tat ihm erst in Güte, dann mit Ernst und Drohungen die triftigsten Vorstellungen, er beklagte es, wünschte nichts mehr als sich ändern zu können, aber es war ihm unmöglich. Man hatte noch einige Zeit unaussprechliche Geduld mit ihm, aber es wollte sich nicht ändern.

Also kriegte er seine Dimission, fand zwar bald wieder eine andere Condition, aber die nämliche Ursache brachte ihn auch da bald wieder weg, und das ging ihm in mehreren Häusern so. Endlich da er ganz verlassen und traurig nicht wusste, wo er hin sollte, fand sich ganz unvermutet Gelegenheit, dass er in das Haus der Frau R., deren Geschichte ich kurz vorher erzählt habe, kam. Sie merkte gar bald auch seinen Fehler, aber sie war hier dankbar erinnerlich und verordnete ihm nach Erzählung ihrer glücklichen Kur mit meiner Genehmigung folgendes:

Er musste sich ein Etuis mit einem kleinen Spiegel kaufen, das er stets bei sich tragen sollte, musste sich Stahlknöpfe an den Rock machen lassen, die wie Spiegel waren, musste ein Spiegelglas oben in seinem Stocke, eins an der Uhr, eins an dem Ringe am Finger und eins an dem Hutknopfe tragen – und so oft er böse Gesichter machte, in einen der Spiegel sehen. Allen im Hause wurde befohlen, bei jedesmaliger Erscheinung solcher bösen Gesichter den Hrn. Hofmeister an seine Spiegel zu erinnern, sogar seine Eleven hatten die Erlaubnis dazu.

Dies wirkte bei ihm so viel Scham, dass er sich nun mit aller Macht zwang, seine Unarten abzulegen und seine Affekten zu überwinden. Freilich währte es lange, ehe er sich ganz änderte, aber die stete Wiederholung der Kur und die unermüdete Geduld aller im Hause brachten es endlich dahin, dass er auch bei denen Sachen, wo selbst die Kaltblütigsten nicht gleichgültig bleiben können, so stoisch wurde, dass man ihn für einen wahren unempfindlichen philosophischen Graubart hätte halten können.

Indess wurde er nun sehr beliebt im Hause und fand durch seinen Herrn Principal eine sehr ansehnliche Bedienung, aber auch solche zanksüchtige Kollegen, wo er seine philosophische Kaltblütigkeit sehr nötig hatte, wenn ihm nicht Ärger und Verdruss Schwindsucht und Tod vor der Zeit zuziehen sollten. Zwar war auch dieser so dankbar gegen sein so heilsames Medikament und empfahl es seinen zanksüchtigen bösen Kollegengesichtern recht angelegentlich. Aber diese fanden weder Geschmack noch Beruf dazu, und also blieben sie ungeheilt, so wie ein Kranker, der nicht einnehmen will, sterben muss, wenn ihn nicht seine allzu gütige dauerhafte Natur unverdient noch errettet.

Vielleicht finden sich unter meinen Lesern auch manche böse Gesichter – denen empfehle ich gar sehr diese Kur und hoffe von ihnen gleiche Dankbarkeit als von diesen beiden Kranken, deren Kur ich jetzt erzählt habe, nämlich freundliche Gesichter.

Probatum est.


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